Erziehung der Schülerinnen und Schüler zur Medienkompetenz – in Berlin völlig unzureichend

Medienkompetenz an Berliner SchulenIn einer Veranstaltung des FDP –Ortsverbands Reinickendorf Nord „ Schule zukunftsfähig machen – Medien kompetent nutzen“ am 30. November 2015 betonte die Generalsekretärin der FDP, Landtagsabgeordnete und ehemalige Kultusministerin von Hessen, Nicola Beer, die Herausforderung, die Jugend bereits in der Schule auf die zukünftige Berufswelt vorzubereiten, auch wenn wegen der sich so dynamisch entwickelnden Informationstechnologie oft heute die Berufe von morgen noch gar nicht bekannt seien. Medienkompetenz entwickeln heiße insoweit, junge Menschen zur Flexibilität und Individualität erziehen.
Auch der Schulleitung komme eine wichtige Aufgabe zu, sie müsse ihrer Führungsaufgabe gerecht werden können. Denn es gelte, die bisher gegenüber den neuen Medien deutlich zurückhaltenden Lehrer zu einer größeren Aufgeschlossenheit zu motivieren. Der Unterricht im digitalen Zeitalter müsse einen signifikanten Wandel erfahren. Das Lernen der Schüler mit digitalen Medien eröffne die Chance, die Schüler zu eigenständigem Lernen zu veranlassen, und den Präsenzunterricht stärker auf einen Austausch der Schüler mit den Lehrern über das zu konzentrieren, was sich die Schüler unter Nutzung der neuen Medien erarbeitet haben.

Natürlich sollten auch moderne Instrumente wie Tablets und Notebooks für den Unterricht eingesetzt werden, dabei müsse aber nicht zwingend der Staat alle Geräte der Schüler finanzieren; es reiche, hier die Bedürftigen bei der Anschaffung zu unterstützen.

In der Veranstaltung kritisierte der Leiter des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Alt-Pankow und zugleich Vorsitzende des Vereins der Oberstudiendirektoren Berlin Ralf Tretpow die schwierigen Bedingungen, unter denen in Berlin die Schulen ihre Medienbildungsaufgaben erfüllen müssten. Die Finanzierung der Bildungsaufgaben in diesem Bereich aus Lottomitteln sei nicht angemessen. Der neue Rahmenlehrplan liefere keine befriedigenden Antworten auf die drängenden Fragen, er sei wenig konkret und nehme die schon heute drängenden Fragen nicht in den Blick. Ein besonderes Problem stelle auch der Umstand dar, dass die Schulbuchverlage bisher nicht bereit seien, elektronische Fassungen der Schulbücher zu vernünftigen Preisen anzubieten, obwohl doch die Herstellungskosten gegenüber den Papierexemplaren deutlich günstiger seien.
Mieke Senftleben als langjährige Expertin für Bildungsfragen, Bundesvorstandsmitglied der FDP und ehemaliges Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses hob das Erfordernis hervor, den Schulen mehr Freiraum für ihre Aufgaben einzuräumen. Der Berliner Senat setze seit vielen Jahren die falschen Schwerpunkte. Angesagt sei vor allem ein Umdenken hin zur Entwicklung einer Methodenkompetenz der Schüler.

Juliane Hüttl, Webentwicklerin und IT-Beraterin, Stellvertretende Vorsitzende des FDPOrtsverbands Reinickendorf Nord, zugleich Mitglied im Landesvorstand der Berliner FDP und Sprecherin für Netzpolitik und eGovernment der FDP Berlin, erläuterte die Anforderungen, denen sich zukünftige Schulabgänger in einer digitalisierten Welt stellen müssten. Diese Anforderungen entwickelten sich sehr dynamisch. Leider stellten sich die Schulen diesen Anforderungen nicht oder unzureichend. Denn technische Fertigkeiten bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus dem weiten Feld der Medienkompetenz. Es gelte, einer mangelhaften und unkritischen Bewertung von Medieninhalten entgegenzuwirken und die Jugendlichen zu einem verantwortungsvollen und selbstbestimmten Umgang mit den Medien anzuleiten.

Der Moderator der Veranstaltung, Wilfried Bernhardt, der ehemalige, auch für Informationstechnologie zuständige Staatssekretär in Sachsen und Vorsitzender der FDP Reinickendorf Nord bemängelte, dass weder die Bundesregierung mit ihrer Digitalen Agenda noch die große Koalition in Berlin ein tragfähiges Konzept zum Umgang mit der Digitalisierung entwickelt hätten. Vor allem fehlten konkrete, umsetzbare Maßnahmenpläne. Dies sei fatal, weil sich gerade im Bereich der Bildungspolitik die Landesregierung nicht aus ihrer Verantwortung stehlen dürfe. Um in einer zukünftig digitalisierten Welt im globalen Wettbewerb bestehen zu können benötigten unsere Wirtschaft und Gesellschaft dringend gut ausgebildete junge Leute. Eine Studie der Initiative D 21 habe erbracht, dass gerade die Medienbildung in Berlin nur wenig verbindlich in Lehr- und Bildungsplänen verankert sei, die Verantwortung vielmehr allein auf die Schultern der Lehrer abgewälzt worden sei.
Oliver Görs (FDP), der in zahlreichen Elternvertretungen und Beiräten auf Bundes- und Landesebene mitarbeitet, brachte die Perspektive der Eltern ein. Er kritisierte, dass den Schulen nicht ausreichend Ressourcen für die Medienbildung zur Verfügung stünden.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass es den Schulen an Vielem mangelt, was für eine angemessene Bildung zur Medienkompetenz wichtig wäre: Es gibt weder genügend Fachkräfte an den Schulen noch eine ausreichende Fortbildung. Es stehen auch nicht ausreichend digitale Lehr- und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Und schließlich benötigen Lehrkräfte auch einen technischen Support , um die komplexe Informationstechnik im Unterricht einsetzen zu können. Insoweit bedürfe es eines grundlegenden Umdenkens in der Schulverwaltung und an den Schulen, ein Schwerpunktziel der zukünftigen Arbeit der Freien Demokraten.

Wilfried Bernhardt, Vorsitzender OV Reinickendorf Nord – Berlin ganz oben

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